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Biokunststoff - der neue Kunststoff


14.01.2019

Biokunststoff rückt nachdem sich die Regierung für das Plastiksackerlverbot 2020 ausgesprochen hat, vermehrt in den Vordergrund. Was soll das sein? Bio kennt man aus der Lebensmittelbranche wo Lebensmittel gekennzeichnet werden, wenn sie nach bestimmten Kriterien angebaut und geerntet werden. Man kann das ganz gut bei der Bio Austria nachlesen. Als Konsument hat man den Eindruck man hat was Gutes getan.

Nun wird der Ausdruck auch im Kunststoffbereich verwendet. Was soll das? Kunststoff ist ein Erdölprodukt. Seit wann ist Erdöl Bio? Ich glaube, dass der Ausdruck zu Verwechslungen führt und daher versuche ich den Begriff zu erklären. Dr Fritz von der Boku hat uns das Thema bei einer Abfallberater – Klausur sehr anschaulich erklärt:

Biokunststoff – Erklärung

  • Biokunststoff

ist ein Widerspruch in sich, abgeleitet aus: Biosprit, Biodiesel.

  • Biopolymer

definiert die Herkunft der Rohstoffe, aber nicht die Materialeigenschaften, zB Stärke oder Holz, Polyethylen aus Bioethanol.

  • biologisch abbaubarer Werkstoff

definiert die Eigenschaft (biologisch abbaubar), aber nicht die Herkunft des Materials, zB abbaubare Polyester aus Erdöl oder ein Reifen, der lang genug in der Natur liegt.

  • kompostierbarer Werkstoff

In einem gewissen Zeitraum erfolgt der Abbau. Es ist aber nicht definiert woher er kommt. Auch Erdölprodukte wie Polyester, Polyamide etc können kompostierbar sein.

Biokunststoff – Begriffe, die die Materialeigenschaften beschreiben

  • abbaubar: Eigenschaft, durch physikalische, chemische und biologische Prozesse in kleine Einheiten zerlegt zu werden

Auch Eisen baut sich ab: Wenn ein Auto lang genug im Wald steht verrostet es und irgendwann hat man lauter kleine Futziwutzis in der Natur liegen. Dieser Vorgang dauert lange, wenn man bedenkt, dass wir aus den Urzeiten oder Römerzeiten noch Funde in der Erde finden. Man wird dazu viele verschiedene Zahlen finden. Hier eine Tabelle der Enu. Wobei bei einem Auto sicher eine andere Zahl als bei einer Aludose anzusetzen ist.

  • biologisch abbaubar: abbaubar, einzig aufgrund biologischer Prozesse

Es baut sich bei der Kompostierung ab, aber das Ausgangsprodukt ist noch vorhanden. Es zersetzt sich nicht.

  • kompostierbar bzw. vergärbar: Materialauflösung infolge biologischen Abbaus innerhalb eines begrenzten Zeitraums → dazu gibt es eine EU-Norm 13432 !

Ein Apfel ist kompostierbar, löst sich sozusagen auf und wird zu Erde.

  • Materialauflösung: Formverlust (physikalisch; struktureller Zerfall)

Hier hat mir das Beispiel der Geschirrspültabs, die bereits mit Folie (Polyvenylalkoholsäckchen) in den Spüler gelegt werden können, gefallen. Hat sich schon wer Gedanken gemacht, was mit der Folie passiert? Was heißt auflösen. Ja, auch Salz löst sich auf. Wenn ich Salzwasser ganz lange koche, legt es sich am Topfrand ab. Das gleiche passiert mit dieser Folie. Sie löst sich auf und wenn der Anteil dieser Folie hoch genug ist, gehen wir auf Wackelpudding, statt im Wasser zu schwimmen. Da, welch Überraschung, das Material bei der Kläranlage nicht herausgefiltert wird. Also Finger weg davon und packt das Tabs mit euren Händen aus oder verwendet Pulver (dann müsst ihr auch keine Verpackung entsorgen. Ich habe auf der Seite der Umweltberatung eine Datenbank gefunden, die die verschiedenen „umweltfreundlicheren“ Geschirrspülmittel listet.

Biokunststoff – Anwendungen biobasierter und biologisch abbaubarer Kunststoffe

  • ca. 1985: erstmals „abbaubar“ als Stoffeigenschaft für Kunststoffe öffentlich gebraucht
  • ca. 1990: Mischung aus Polyethylen und Stärke. ABER: Material zerfällt, ist nicht biologisch abbaubar
  • ca. 1998: Flasche und Joghurtbecher aus PHB (Polyhydroxybutyrat)

Bei frischen Obst und Gemüse ist diese Anwendung von Vorteil. Der Frischhalteeffekt ist hier auch gegeben. Dazu hat einen Bürgerin auch das Maisstärkesackerl getestet. Hier geht es zu ihrem Bericht.

Es ist schade, wenn man Müllsackerl für die Vorsortierung der Bioabfälle verwendet, da man sie sehr gut vorher zum Frisch halten von Salat oder Karotten verwenden kann. Sie sind atmungsaktiv und das Wasser diffundiert raus und das Obst liegt nicht in seinem Wasser.

Diese Produkte wären auch für die Landwirtschaft interessant, dann wäre es nicht so schlimm, wenn der Wind sie zum Spielen verwendet und die Kunststoffe sich in den Hecken verfangen.

Auch in youtube habe ich einen Vortragsmitschnitt zu dem Thema von Dr Fritz gefunden.

(Frau Dr Ines Fritz, kann ich jedem empfehlen, der Vorträge für die Abfallberaterkollegen organisiert. Eine Person, der man stundenlang zuhören kann und die die Materie des Biokunststoffes sehr gut erklärt)

Auch bei der ARA AG findet sich ein Produktmerkblatt, welches die verschiedenen Biokunststoffe erklärt.

Probleme in der Unterscheidbarkeit zwischen Biokunststoff und klassischen Kunststoffverpackung

In der Praxis ist es sehr schwierig den Unterschied zwischen handelsüblichen Kunststoff und einem abbaubaren Produkt zu erkennen. Wenn der Konsument den Biokunststoff in der Biotonne entsorgt, kann der Entsorger nicht zwischen den Sorten unterscheiden. Entweder er lässt die Tonne stehen oder wenn es sich doch um einen herkömmlichen Kunststoff handelt, erzeugt das Probleme in der Kompostierung.

Was auch nicht ausreichend kommuniziert wird. Immer öfter wird Bioabfall in einem eingehausten Prozess kompostiert. Der Kompostierungsvorgang ist in 6 Wochen vollendet und die abbaubaren Kunststoffe sind in dieser Zeit noch nicht verrottet. Der Kunststoff wird entweder vor der Kompostierung händisch entfernt oder anschließend, das kommt auf die Anlage an.

Wir scheitern auch wie immer am Wording. Manchmal heißt es, dass dieser Kunststoff in den Gelben Sack gehört, da er lizenziert ist. Abgesehen davon, dass es Bezirke gibt, die nur Flaschen im Gelben Sack sammeln, kann ich mir nicht vorstellen, dass das Biosackerl so einfach in der Sortierung aussortiert wird. Ich habe schon mit kunststoffverarbeitenden Betrieben gesprochen, die ein Problem haben, dass die Folien, zum Beispiel, nicht mehr die gewünschte Qualität haben.

Fazit:

Plastiksackerlverbot 2020 ist ein Anfang. Manch einer spricht von gefälschten Bildern oder man macht mit dem Sackerl Verbot aus einer Mücke einen Elefanten. Wir haben doch keinen Meeranschluss, was geht uns das an. Ich kann nur soviel sagen, so viel wie jetzt haben wir in den letzten 20 Jahren nicht über die Abfallwirtschaft gesprochen. Wir machen uns plötzlich über alternativen für das Einfriersackerl Gedanken, wir sitzen in der Familienrunde beisammen und diskutieren über Glasflaschen. Es geht in die richtige Richtung. Wenn ich nur im Supermarkt stehe und statt zu den verpackten Äpfeln zu den losen greife, hat die Umwelt schon gewonnen.

Weiter so, eure Trennsetterin

Artikel mit ähnlichen Inhalt von der Trennsetterin:

Interview mit Kompostierer

Kunststoff oder Plastik

Quellen

Mitschrift von Vortrag Dr Ines Fritz

Youtube Vortrag ebendieser

Biorama: Kurzer Text über die verschiedenen Begriffe der Abbaubarkeit

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