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ENTSORGUNG

Gib mir den Rest! Von der Müllverbrennung zur Energie


01.10.2018

Müllverbrennungsanlage Dürnrohr

Unter einer Verbrennungsanlage hat man irgendwie ein graues Gebäude mit Schornsteinen im Kopf, das niemand in seinem Umfeld haben will. Die bekannteste Anlage ist wohl die Müllverbrennungsanlage in Wien am Donaukanal, die Hunderwasser in den späteren 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gestaltet hat. Wie so eine Müllverbrennungsanlage funktioniert wissen die wenigstens, aber alle reden mit. „Wird alles verbrannt!“ oder „Ist eh wurscht, ob du trennst, kommt eh alles zusammen!“ „Verbrennung braucht ja den Kunststoff, sonst brennt es ja nicht!“ Ich kann diese Sprüche nicht mehr hören. Ich besuchte den Geschäftsführer der Müllverbrennungsanlage Zwentendorf/Dürnrohr und fand Antworten auf eure Fragen:

Nach dem Prinzip „waste-to-energy“ verwertet die EVN Abfallverwertung NÖ am Standort Zwentendorf/Dürnrohr seit 2004 Hausrest- und Sperrmüll sowie ungefährliche Gewerbe- und Industrieabfälle.

Gernot Alfons

Inm folgenden Fliesschema seht ihr wie eine Verbrennungsanlage funktioniert. Somit könnt ihr euch etwas besser vorstellen, wie die Aufgabe der Abfälle auf dem Verbrennungsrost funktioniert bzw wo am Ende die Schlacke und die Asche herauskommen.

Fließschema der Müllverbrennungsanlage

Das Interview

Ein paar technische Details

Die Mythen, die sich um die Müllverbrennung ranken, halten sich sehr hartnäckig. Daher besuchte ich den Geschäftsführer und Betriebsleiter DI Gernot ALFONS in Dürnrohr, dem ich die Fragen stellte, die immer wieder an uns herangetragen werden.

Büchler: Wie kann man sich die Behandlung des Abfalls vorstellen?

Alfons: Im Mittelpunkt steht die ökologische bestmögliche Behandlung von Abfällen, das heißt die Zerstörung der organischen Schadstoffe bei Verbrennungstemperaturen von über 1.000 Grad Celsius, die konzentrierte Erfassung und Extraktion der nicht zerstörbaren Schadstoffe durch eine dreistufige Rauchgasreinigungsanlage und die Ablagerung der Reststoffe unter kontrollierten Bedingungen. Die Anlieferung der Abfälle und der Abtransport der Reststoffe erfolgt per Bahn. Durch diese weltweit einzigartige Logistik werden 40.000 LKW Fahren pro Jahr verhindert

Bahnanlieferung

Büchler: Wie sehen Sie die aktuelle Rolle der thermischen Verwertung?

Alfons: Durch die Verbrennung kommt es zur Reduzierung von Deponievolumen um rd. 70%. Die Abwärme wird zur Bereitstellung von Strom, Prozesswärme und Fernkälte genutzt.

Büchler: Wer profitiert von der Abwärme?

Alfons: Mit der Fernwärme können 17.000 Haushalte der Gemeinde Zwentendorf und zusätzlich zwei Drittel der Landeshauptstadt St Pölten versorgt werden. Weiters wird die AGRANA Bioethanolanlage mit Prozessdampf beliefert.

Verbrennungskammer

Büchler: 30% der Abfälle werden nach wie vor deponiert. Um welche Abfälle geht es hier?

Alfons: Schlacke und Asche werden in Mistelbach bei der Firma Zöchling aufbereitet. Mittels einer Entmetallisierungsanlage können in mehreren Prozessebenen neben Eisenschrott auch Aluminium, Kupfer, Messing und ähnliche wertvolle Metalle wiedergewonnen wiedergewonnen werden. Der Metallanteil liegt im Bereich von ca. 5 – 10 %. Unter Annahme einer jährlichen Aufbereitungsmenge von 100.000 und einer Metallrückgewinnung von durchschnittlich 7,25% (6% Stahl, 0,75% Aluminium, 0,50% Kupfer), kann eine Energieeinsparung von ca. 55.000.000 kWh und eine CO2-Einsparung von 15.000 to erzielt werden. Mit der Menge an Energieeinsparung könnten ca. 12.500 österreichische Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.

Der Filterkuchen, in dem die Schadstoffe konzentriert auftreten, kann auf Deponien, die laut Bescheid die Voraussetzungen erfüllen, abgelagert werden (Stand: 2018).

Schlackebunker

Der Kunststoff- Mythos

Büchler: Wir hören immer wieder, dass die Anlagen Kunststoff brauchen und dass die Trennung somit keinen Sinn macht. Wie sehen Sie das?

Alfons: Das stimmt nicht. Ich möchte das an Hand eines Beispieles erklären. Nasses Holz brennt schwer. Daher braucht man mehr, um ein Feuer zu machen. Trockenes Holz brennt lichterloh und man benötigt daher weniger für das Feuer. Da der Kunststoffanteil von Natur her sehr hoch ist (unsere Gewand, die Schuhe, die Verpackungen sind aus Kunststoff), ist es nicht notwendig zusätzlich Kunststoff beizumengen.

Kunststoffbänder

Büchler: Was passiert wenn zu viel Kunststoff auf den Rost gelangt?

Alfons: Durch die Zunahme es Heizwertes, verringert sich der Materialdurchsatz und man braucht länger, um die Abfälle zu verbrennen. Deshalb können wir zusätzlich Kunststoffe nicht brauchen.

Büchler: Ist Mülltrennung überhaupt noch zeitgemäß?

Alfons: In Niederösterreich wurden 2017: 536kg pro Einwohner an Abfällen produziert. 185 kg wurden davon verbrannt. Das heißt, dass 351 kg wiederverwertet werden konnten. Das wäre zum einen Schade, wenn es einfach verbrannt werden würde und zum anderen sind die Anlagen nicht auf so eine Menge ausgelegt.

Büchler: Das heißt Sie befürworten die Trennung weiterhin?

Alfons: Ja, denn es wäre schade verwertbaren Müll einfach zu verbrennen. Es würde dem Bürger unverhältnismäßig mehr Gebühr kosten, da ja die Verbrennung teurer als die Verwertung ist. Zusätzlich muss die Schlacke und die Asche regelmäßig untersucht werden und wenn die Elemente, die darin gefunden werden zu hoch sind, kann es zu Problemen in der Entsorgung führen.

Gefährliche Abfälle, ein Problem?

Büchler: Welche Elemente sind denn im Moment nachweisbar?

Alfons: Antimon gibt uns gerade Rätsel auf. Nach monatelanger Recherche könnte es sich um Brandschutzhemmer handeln, die in Teppichen, in Vorhängen und Gewand eingesetzt werden. Auch Quecksilber wird abgeschieden. In Mengen, die nicht mehr von einem Fieberthermometer herrühren können. Hier vermuten wir illegale Räumungen von Labors.

Büchler: Muss dann die Anlage abgedreht werden?

Alfons: Die Anlage ist bewusst überdimensioniert, um im Bereich der Rauchgasreinigung derartige Fehlwürfe abscheiden zu können.

Büchler: Welche Fehlwürfe kommen noch vor?

Alfons: Wir finden von kleinen Elektrogeräten wie zB Haarföne, auch Geschirrspüler, Mikrowellen. Hier sind Metalle und Buntmetalle enthalten, die in der Verbrennung nichts verloren haben. Man kann nur einen Bruchteil dieser Stoffe wiedergewinnen. Die richtige Trennung daheim wäre in solchen Fällen sehr wichtig.

Büchler: Welche gefährlichen Abfälle wurden noch angeliefert?

Alfons: War hatten schon große Mengen an Tonern im Bunker. Dies führt zu Explosionen, die die Anlage beschädigen können. Dies führt in weiterer Folge zum Stillstand der Anlage.

Büchler: Dürfen gefährliche Abfälle denn überhaupt angeliefert werden?

Alfons: Nein, wir haben keinen Bescheid zur Verbrennung von gefährlichen Abfällen wie zum Beispiel Farben und Lacke im flüssigen Zustand. Bei der Eingangskontrolle werden diese Abfälle aussortiert und dem Anlieferer auf seine Kosten zurückgeschickt.

Die Zukunft

Büchler: Wie sehen Sie die Zukunft?

Alfons: Im Moment übernehmen die Inverkehrsetzer von Produkten keine Verantwortung für die Entsorgung. Es werden Verbundstoffe entwickelt, aber die Zerlegung kostet Geld. Über die sinnvolle Verwertung machen sich zu wenige Gedanken. Ob es sich um Lithium Ionenbatterien handelt oder Windräder etc

Büchler: Was würden Sie sich gerne wünschen?

Alfons: Ich wünsche mir, dass die Hersteller eine Produktverantwortung übernehmen. Vor 30 Jahren wurden darüber ganze Bücher geschrieben, das waren Zeiten als man Jute, statt Plastik bewarb und mit Tupperdose einkaufen ging. Wo sind diese ganzen Konzepte gelandet?

Büchler: Wie schaut die Zukunft der Müllverbrennungsanalage Dürnrohr aus?

Alfons: Wir arbeiten am Kohleausstieg, der 2025 durchgeführt werden soll. Es wird eine Herausforderung den Energiebedarf der Umgebung abzudecken.

Büchler: Was würden Sie gerne unseren Lesern mitgeben?

Alfons:

Nutzt alle Möglichkeiten der Trennung aus, der Rest kommt in die Verbrennung. Dies gilt auch für die gewerblichen Kunden. Eine Trennung am Anfallort ist viel wichtiger. Am Allerwichtigsten ist die lange Nutzung von Produkten bzw. das Reparieren ehe man einen Gegenstand wegwirft!

Büchler: Danke für das Interview

Quelle:

EVN

Zöchling

Viel Spaß beim Lesen und wenn ihr Fragen habt, schickt mir ein mail, eure Trennsetterin

Zu diesen Artikel passen auch meine Beiträge zu der Analyse meiner Restmülltonne, sowie die Mysterien der Mülltrennung

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